Currirculum Vitae

1933 geboren in Herford
1953 Abitur
Studium Mathematik, Physik, Astronomie, Philosophie, Mathematische Logik in Göttingen, Tübingen und Münster
1958 Promotion bei H.Hermes in Münster (Mathematische Logik)
1959 Staatsexamen f.Höhere Schulen in Mathematik und Physik in Münster
1962 Assessorprüfung f.Höheres Lehramt in Münster
1966 Habilitation (Mathematik) in Hannover bei H.Tietz, danach Hochschuldozent und später C3-Professor (Wiss.Rat)
1967/68 Visiting Associate Professor University of Illinois (USA), Urbana
1971 Berufung (C4) an RWTH Aachen, Lehrstuhl f. Angewandte Mathematik, insbesondere Informatik. Gleichzeitig C4-Rufe nach Dortmund und Bremen abgelehnt
1998 Emeritierung, seither weitere Lehrtätigkeit am Lehrstuhl meines Nachfolgers W.Thomas (jetzt Lehrstuhl Informatik VII)
Ich bin verheiratet und habe 4 erwachsene Kinder

Nach der Assistentenzeit in Münster bei H.Hermes und H.Scholz, einem Jahr als Studienreferendar und den Assistentenjahren in Hannover bei H.Tietz - unterbrochen durch das Gast-Jahr in den USA - begann ich mich für Informatik zu interessieren, besonders angeregt durch W.Händler und B.Schlender. Als der für Informatik in Aachen Erstberufene habe ich hier 1971 das Nebenfach Informatik für Mathematiker und dann 1972 - bald darauf gemeinsam mit J.Merkwitz und später mit K.Indermark - den Hauptstudiengang Informatik eröffnet.

In Aachen habe ich sowohl die Informatik wie auch die Mathematik vertreten und dabei für alle meine Vorlesungen der Informatik Erstversionen entwickeln müssen. Schließlich entfiel nur noch etwa 1/4 meiner Arbeitslast auf die Mathematik. Neben einer Reihe von Habilitationen habe ich etwa 40 Promotionen - darunter auch solche in den hiesigen Graduiertenkollegs für Informatik und Mathematik - sowie deutlich über 500 Diplomarbeiten betreut. Dabei erfolgte in etwa 1/3 aller Fälle eine Kooperation mit Kollegen der Fakultäten für Medizin, Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften.

Ferner habe ich ca. 40 Lehramts-Staatsexamina in Mathematik und etwa 10 in Informatik (als drittes wiss.Fach) betreut. Ich war fast während meiner gesamten Dienstzeit Vorsitzender im Diplomprüfungsausschuß Informatik.

Meine erfolgreichste Monografie war das Buch "Rechneraufbau und Rechnerstrukturen" (gemeinsam mit meinem Schüler G.Vossen), das soeben in der 8.Auflage bei Oldenbourg erschienen ist. Die Mitarbeit am Buch "Medizinische Bildverarbeitung" (Springer 1998) gemeinsam mit T.Lehmann, E.Pelikan und R.Repges spiegelt mein langjähriges Interesse an Problemen der Bildverarbeitung und Computergrafik wieder. Einen gewissen Einblick in die Struktur meines Schülerkreises gibt der Band "Angewandte Mathematik" (Vieweg-Verlag 1999 - hrsg. von P.Horster).

Im März 1995 habe ich das internationale "Colloquium Carolus Magnus" initiiert und gemeinsam mit dem Mathematiker P.Butzer und dem Historiker M.Kerner in Aachen durchgeführt - ein einwöchiges Symposium von Mathematikern und Historikern. Die Ergebnisse liegen in einem zweibändigen Sammelband "Karl der Große und die Artes Liberales" (Verlag Brepols, Turnhout) vor.

Angeregt durch meine Schul-Erfahrungen habe ich mich immer sehr für die Informatik-Weiterbildung von Lehrern interessiert und diese durch spezielle Vorlesungen und auch durch einen Fernkurs "Projekte der Informatik" an der Fernuniversität Hagen betrieben. Von 1992 bis 1997 war ich Mitglied im Ausschuß des Fakultätentages Informatik, der zu Fragen des Informatik-Unterrichtes an Schulen Stellung bezog. Mehrmals habe ich auf internationalen IFIP-Workshops zu Fragen der Informatik in der Schule Grundsatzreferate gehalten.

In den letzten Jahren habe ich in Aachen auch eine neue Grundvorlesung "Informatik für Physiker" entwickelt und abgehalten.

In ähnlicher Weise habe ich mich als Veranstalter und Mitgestalter internationaler Crashkurse über Künstliche Intelligenz zusammen mit Kollegen der TH Delft (NL) im Rahmen der ESPRIT-Programme betätigt.

Besonders gerne habe ich mich auch in Vorträgen zu aktuellen Themen geäußert. Einige typische Titel von Vorträgen nicht-technischer Natur in den letzte 10 Jahren waren:

Kurt Gödel, ein Wegbereiter der Informatik
Optimierung von Zuschnitt-Plänen
Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung aus religionsphilosophischer Sicht
Ist das Formelrechnen noch ein zeitgemäßer Unterrichtsgegenstand?
Kontext und Information - über die Grenzen der Informationsgesellschaft
Verifikation von Grafik-Algorithmen durch euklidische Einbettung
Parallelität als algorithmische Idee
Systematisches Problemlösen in diskreten Strukturen
Verbindungsnetze als Mittel zur parallelen Kommunikation
Automatische Muster-Erkennung als Schlüssel zur medizinischen Diagnostik
Spuren des Unrechts - Wissen schafft Recht (Datenschutzgesetzgebung)
Optimale Logistik von Expeditionen - Alkuins Kamele
Der mobile Dialog - zur Akzeptanz vernetzter Informationssysteme
Das Diskrete und das Kontinuum
Konzepte für den Mathematik-Unterricht an Gymnasien
Algorithmen zur Bearbeitung von Formeln (Derive)
Die endliche projektive Ebene der Ordnung 125
Pfadprobleme in Rechtecksgittern und lineare Rekursionen
Wer ist der Zauberlehrling? - Zum Dilemma der Informationswissenschaften
Simulation von Naturvorgängen als Technik der Informationsverarbeitung
Unendlich ist nicht gleich Unendlich - zur Vielschichtigkeit des Unendlichkeitsbegriffes

Seit meiner Emeritierung habe ich als neue Klientel meiner Vorlesungen eine Reihe Studierender aus dem Seniorenstudium hinzugewonnen. Dabei haben uns in jedem Semester von mir durchgeführten Exkursionen bisher nach Leiden (UB/Alkuin-Texte, Boerhave-Museum), Münster (Planetarium), Daun/Eifel (Sternwarte Hoher List) und Paderborn (Heinz-Nixdorf Museum) geführt.

Im August 1999 habe ich anläßlich der großen Sonnenfinsternis einen von mir angeregten Workshop über Informatik und Astronomie im Informatik-Zentrum Dagstuhl gemeinsam mit den Kollegen Wilhelm (Saarbrücken) und Seggewiß (Bonn und Sternwarte Hoher List) durchgeführt. Über eine daraus resultierende Arbeit werde ich auf der "World Computer Graphics" WCG 2000 in Genf gemeinsam mit zwei Studenten vortragen.

Zur Zeit schreibe ich ein Buch "Tierkreis, Sonne, Mond und Sterne" - das Ziel ist, alle Himmelsbeobachtungen, die vor Galilei möglich waren, unter Einbeziehung auch der Astrologie im Kontext des zeitgenössischen Verständnisses (und selbstverständlich auch im Hinblick auf das heutige Wissen) zu erklären und zu interpretieren. Ferner bereite ich eine Vortragsreihe über die Praxis und die informatischen Hintergründe von 3D-Visualisierungen vor, wobei besonders Animationstechniken und der Bezug zum Internet herausgehoben wird. Hiermit beabsichtige ich in die Weiterbildungs-Szene einzusteigen.

Mein mathematisches Interesse liegt schwerpunktmäßig in der diskreten Mathematik: Kombinatorik, insbesondere systematische Anzahlbestimmungen bei unterschiedlichen Strukturen, Versuchsplanung mit Block-Designs, die Geometrie der diskreten Pixelebene, Algorithmische Komplexität und die Visualisierung algorithmischer Abläufe, Optimierung mit klassischen und natur-analogen Methoden - dies alles hat mich immer wieder in die Informatik hineingeführt:

Netzgenerierung für die Finite-Element-Analyse, Kryptologie für die Datensicherung, Segmentierung und weitergehende Analyse-Verfahren bei Pixel-Bildern und Voxel-Szenen mit Template- und diskreten Transformations-Techniken (Fourier, DCT und Wavelet) sowie medizinische Anwendungen in der Röntgen-, Ultraschall-, Kernspin- und Radiologie-Diagnostik sowie Anwendungen von parallelen Algorithmen z.B. im VLSI-Entwurf waren häufige Themen meiner Lehr- und Forschungstätigkeit.

Während der Enwicklungszeit des Transputers bis 1995 war ich Vorsitzender des einschlägigen Förderervereins und Mitveranstalter des jährlichen "Transputer-Anwender-Treffens" TAT in Aachen. Die Untersuchung von NP-schwierigen Problemen in der Unternehmensforschung hat mich ebenfalls intensiv beschäftigt, ebenso aber auch die auf einer ganz anderen Ebene liegende Grundsatzproblematik des Informations-Konzeptes, welche die Unzulänglichkeiten unserer Datenschutzgesetzgebung verursacht.

Die Titel meiner Vorlesungen in den letzten drei Jahren vor meiner Emeritierung waren:

Rechnerstrukturen (V3Ü2),
DiskreteStrukturen (V4Ü2),
Computergrafik und Bildverarbeitung (2x V4), Spezielle Verfahren hierzu (Transformationstechniken)(V2),
Schaltkreistheorie (V3),
Neuronale Netze (V2),
Kombinatorik (V4),
Lineare Differenzengleichungen (V2),
Informatik für Physiker (3x V4,Ü2).

Nach meiner Emeritierung habe ich neben meiner Beteiligung an einer Ringvorlesung (jeweils im SS) und an Seminaren zur medizinischen Bildverarbeitung (jeweils im WS) folgende Lehrveranstaltungen abgehalten (jeweils allein ohne Assistenten):

SS 98
Alkuins Rechenbuch - eine karolongische Quelle zur mathematischen Algorithmik (V2) - auch für Senioren
WS 98/99
Visualisierung von Prozessen (V2)
Beobachtung von Sonne, Mond und Sternen im Mittelalter und ihre geometrische Deutung (V2) - auch für Senioren
Prozeß-Visualisierung mit VRML (Proseminar)
SS 99
Berechnung der Bahnen von Himmelskörpern (V2) - auch für Senioren
Visualisierung von Prozessen (Seminar)
WS 99/00
Algorithmische Paradigmen (V1) - auch für Senioren
Prinzipien multimedialer Darstellungstechniken (V1)
Visualisierung im Internet (Proseminar)
SS 2000
Ideengeschichte der Informatik (mit W.Thomas) (V2)
Berühmte Zahlenfolgen und Zahlenschemata (V1) - auch für Senioren
Multimediale Darstellungstechniken - XML (Seminar)
 
 


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Verantwortlich: Rolf Eschmann 06/12/2000